Das Wichtigste in Kürze
- Mündlich geprüft werden nur Anatomie, Biochemie/Molekularbiologie und Physiologie. Chemie, Physik, Biologie sowie Psychologie und Soziologie sind ausschließlich Teil der schriftlichen Prüfung.
- Du sitzt vor einer Kommission aus drei Prüfenden, zusammen mit höchstens drei weiteren Prüflingen.
- Die Prüfung dauert 45 bis 60 Minuten je Prüfling.
- Bestanden hast du ab ausreichend, also Note 4. Die Skala reicht von 1 bis 5.
- Nicht bestanden? Du wiederholst nur den mündlichen Teil, und zwar höchstens zweimal.
- Der Antrag auf Zulassung muss bis zum 10. Januar oder 10. Juni beim Landesprüfungsamt eingegangen sein.
Welche Fächer mündlich geprüft werden
Das Physikum, offiziell der Erste Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, besteht aus zwei Teilen. Der schriftliche Teil deckt alle Stoffgebiete der Vorklinik ab. Im mündlich-praktischen Teil wirst du laut § 22 Abs. 2 der Approbationsordnung dagegen nur in drei Fächern geprüft.
| Fach | Schriftlich | Mündlich-praktisch |
|---|---|---|
| Anatomie | ja | ja |
| Biochemie/Molekularbiologie | ja | ja |
| Physiologie | ja | ja |
| Biologie für Mediziner | ja | nein |
| Chemie für Mediziner | ja | nein |
| Physik für Mediziner | ja | nein |
| Medizinische Psychologie und Soziologie | ja | nein |
Wichtig für deine Vorbereitung: Die Verordnung verlangt ausdrücklich, die Grundlagen in Verbindung mit klinischen Fragestellungen zu prüfen (§ 22 Abs. 3). Wer nur Fakten aufsagen kann, kommt deshalb selten weit. Die Frage nach der klinischen Bedeutung gehört fast immer dazu.
So läuft die Prüfung ab
Die Kommission
Die Kommission besteht aus der oder dem Vorsitzenden und zwei weiteren Mitgliedern. Alle drei lehren die Fächer, die geprüft werden. Den Vorsitz führt eine Hochschullehrerin oder ein Hochschullehrer, leitet die Prüfung und prüft selbst mit (§ 15 Abs. 1 und 2). Die Kommission entscheidet mit Stimmenmehrheit, bei Gleichstand gibt der Vorsitz den Ausschlag.
Gruppe und Dauer
In einem Termin werden höchstens vier Prüflinge geprüft. Die Prüfung dauert mindestens 45 und höchstens 60 Minuten je Prüfling (§ 24 Abs. 1). Bei einer vollen Gruppe kommen so drei bis vier Stunden Prüfungszeit zusammen. Plane den ganzen Vormittag oder Nachmittag ein und nimm etwas zu trinken mit.
Praktische Aufgaben, Präparate und Skizzen
Die Kommission soll dir schon vor dem Prüfungstermin praktische Aufgaben stellen, deren Ergebnis du in der Prüfung mündlich oder als schriftlichen Bericht vorträgst (§ 24 Abs. 3). Wie das umgesetzt wird, unterscheidet sich stark zwischen den Universitäten. In Anatomie beginnt die Prüfung laut den ausgewerteten Protokollen häufig an einem Präparat oder einem histologischen Schnitt. In Physiologie und Biochemie wirst du oft gebeten, eine Kurve, einen Regelkreis oder einen Stoffwechselweg zu skizzieren.
Wie die Fragen aufeinander aufbauen
In den ausgewerteten Protokollen folgt das Gespräch in allen drei Fächern einem erkennbaren Muster: erst die Struktur, dann die Funktion, dann die Klinik. Auf eine gute Antwort folgt meist eine Nachfrage eine Ebene tiefer, etwa vom Organ zu seiner Gefäßversorgung oder von der Störung zum Therapieprinzip. Nach ungefähr drei zusammenhängenden Fragen wechselt das Thema. Wie das je Fach aussieht, zeigen die Seiten zu Anatomie, Physiologie und Biochemie.
Vorher bei einer Prüfung zuhören
Ein Recht, das viele nicht kennen: Die oder der Vorsitzende muss bis zu fünf Studierenden, die bereits zur selben Prüfung zugelassen sind, das Zuhören gestatten (§ 15 Abs. 5). Wenn du eine Prüfung vor deiner eigenen miterleben kannst, nutze die Gelegenheit. Bei der Bekanntgabe des Ergebnisses müssen Zuhörende den Raum verlassen. Wie du dich dafür meldest, weiß deine Fachschaft oder dein Landesprüfungsamt.
Das Ergebnis
Das Ergebnis teilt dir die oder der Vorsitzende mit und muss es auf deinen Wunsch begründen (§ 15 Abs. 9). Über deine Prüfung wird außerdem eine Niederschrift angefertigt, aus der Gegenstand, Ergebnis und die tragenden Gründe hervorgehen (§ 15 Abs. 8).
Bewertung und Note
Bewertet wird nach der Notenskala der Approbationsordnung (§ 13 Abs. 2):
| Note | Bezeichnung | Bedeutung laut Verordnung |
|---|---|---|
| 1 | sehr gut | eine hervorragende Leistung |
| 2 | gut | eine Leistung, die erheblich über den durchschnittlichen Anforderungen liegt |
| 3 | befriedigend | eine Leistung, die in jeder Hinsicht durchschnittlichen Anforderungen gerecht wird |
| 4 | ausreichend | eine Leistung, die trotz ihrer Mängel noch den Anforderungen genügt |
| 5 | nicht ausreichend | eine Leistung, die wegen erheblicher Mängel den Anforderungen nicht mehr genügt |
Die mündlich-praktische Prüfung ist bestanden, wenn du mindestens ausreichend erreichst (§ 15 Abs. 7). Die Note des gesamten Physikums ist der Mittelwert aus schriftlicher und mündlicher Note, auf eine Nachkommastelle gerechnet (§ 25). Bis 1,5 lautet sie sehr gut, über 1,5 bis 2,5 gut, über 2,5 bis 3,5 befriedigend und über 3,5 bis 4,0 ausreichend. Gebildet wird sie erst, wenn beide Teile bestanden sind.
Termine und Fristen
Der schriftliche Teil findet bundesweit an denselben Tagen statt, immer im März und im August (§ 16 Abs. 1). Die Termine veröffentlicht das IMPP. Der mündlich-praktische Teil folgt in der vorlesungsfreien Zeit. Den genauen Tag legt dein Landesprüfungsamt fest, und je nach Universität liegen zwischen beiden Teilen wenige Tage bis mehrere Wochen.
| Was | Wann |
|---|---|
| Antrag auf Zulassung für Frühjahr 2027 | bis 10. Januar 2027 eingegangen |
| Schriftlicher Teil, Frühjahr 2027 | 16. und 17. März 2027 |
| Antrag auf Zulassung für Herbst 2027 | bis 10. Juni 2027 eingegangen |
| Schriftlicher Teil, Herbst 2027 | 24. und 25. August 2027 |
| Antrag auf Zulassung für Frühjahr 2028 | bis 10. Januar 2028 eingegangen |
| Schriftlicher Teil, Frühjahr 2028 | 14. und 15. März 2028 |
| Antrag auf Zulassung für Herbst 2028 | bis 10. Juni 2028 eingegangen |
| Schriftlicher Teil, Herbst 2028 | 22. und 23. August 2028 |
Den Antrag auf Zulassung stellst du bei dem Landesprüfungsamt, das für deine Universität zuständig ist. Er muss dort bis zum Stichtag eingegangen sein, ein Poststempel vom 10. Januar reicht also nicht (§ 10 Abs. 3). Welches Amt zuständig ist, steht in der Übersicht der Landesprüfungsämter beim IMPP.
Was wirklich gefragt wird
Wir haben Gedächtnisprotokolle mündlicher Physikumsprüfungen ausgewertet, zusammen rund 546.000 Wörter Text. Gezählt wurde, wie oft ein Themenbegriff darin vorkommt. Das sind Gewichte, keine Wahrscheinlichkeiten: Ein Thema, das in einem Protokoll ausführlich besprochen wird, zählt mehrfach. Das Bild ist trotzdem eindeutig, einige Themen tauchen um ein Vielfaches häufiger auf als andere.
| Fach | Platz 1 | Platz 2 | Platz 3 |
|---|---|---|---|
| Anatomie | Reflexe und Segmente | Liquor, Ventrikelsystem, Hirnhäute | Schilddrüse und N. laryngeus recurrens |
| Physiologie | GFR, Clearance, Niere | ADH, Osmolarität, Diabetes insipidus | Renin-Angiotensin-Aldosteron-System |
| Biochemie | Häm-Stoffwechsel und Bilirubin | Cholesterin und Lipoproteine | Harnstoffzyklus |
Die vollständigen Ranglisten mit Nennungszahlen und den typischen Nachfragen findest du auf den Fachseiten zu Anatomie, Physiologie und Biochemie.
So bereitest du dich vor
Das mündliche Physikum prüft nicht, ob du Fakten wiedererkennst, sondern ob du sie unter Beobachtung geordnet aussprechen kannst. Das ist eine andere Fähigkeit als das Kreuzen, und sie wird nur durch lautes Üben besser.
- Laut sprechen statt lesen. Erkläre jedes Kernthema so, als säße die Kommission vor dir. Wie das ohne Lernpartner geht, steht in Mündliches Physikum alleine üben.
- Die Zeit nach dem schriftlichen Teil nutzen. Dafür gibt es einen eigenen Plan: Die Wochen zwischen schriftlich und mündlich.
- Altprotokolle deiner Prüfenden lesen. Viele Prüfende haben Lieblingsthemen. Deine Fachschaft weiß meist, wo es Protokolle gibt.
- Mit der Nervosität rechnen. Blackouts sind häufig und lassen sich abfangen: Angst vor dem mündlichen Physikum.
Häufige Fragen
Welche Fächer kommen im mündlichen Physikum dran?
Anatomie, Biochemie/Molekularbiologie und Physiologie. Die übrigen Stoffgebiete werden nur schriftlich geprüft (§ 22 ÄApprO).
Wie lange dauert das mündliche Physikum?
Mindestens 45 und höchstens 60 Minuten je Prüfling, bei höchstens vier Prüflingen pro Termin (§ 24 Abs. 1 ÄApprO).
Ab welcher Note ist das mündliche Physikum bestanden?
Ab ausreichend, also Note 4. Die Skala reicht von 1 (sehr gut) bis 5 (nicht ausreichend).
Wie oft darf ich das mündliche Physikum wiederholen?
Zweimal. Wiederholt wird nur der nicht bestandene Teil, und das Landesprüfungsamt lädt dich von Amts wegen zum nächsten Termin (§ 20 ÄApprO).
Wann ist die mündliche Prüfung nach der schriftlichen?
In der vorlesungsfreien Zeit nach dem schriftlichen Teil. Den Tag legt dein Landesprüfungsamt fest, meist liegen wenige Tage bis einige Wochen dazwischen.
Darf ich mir vorher eine mündliche Prüfung anschauen?
Ja, sobald du selbst zur Prüfung zugelassen bist. Die oder der Vorsitzende muss bis zu fünf zugelassenen Studierenden das Zuhören gestatten (§ 15 Abs. 5 ÄApprO).
Wie wird die Note des Physikums berechnet?
Schriftliche und mündliche Note werden addiert und durch zwei geteilt, gerechnet auf eine Nachkommastelle (§ 25 ÄApprO).
Quellen
- § 10 Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO)
- § 13 Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO)
- § 15 Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO)
- § 16 Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO)
- § 20 Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO)
- § 22 Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO)
- § 24 Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO)
- § 25 Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO)
- IMPP: Prüfungstermine Medizin
- IMPP: Übersicht der Landesprüfungsämter
Die Regeln stammen aus der Approbationsordnung für Ärzte in der zum Prüfdatum geltenden Fassung. Im Einzelfall entscheidet dein Landesprüfungsamt. Die Themenhäufigkeiten beruhen auf einer eigenen Auswertung von Gedächtnisprotokollen und sind ohne Gewähr.







