Ratgeber · Anatomie

Anatomie im mündlichen Physikum

Anatomie ist im mündlichen Physikum das Fach mit den deutlichsten Dauerbrennern. Hier stehen die Themen, die in echten Gedächtnisprotokollen am häufigsten vorkommen, und wie du Antworten so aufbaust, dass dich die Nachfrage nicht überrascht.

Von Rohat Deniz Duman, Hippokrat.io · zuletzt geprüft am

Anatomisches Schädelmodell unscharf im Hintergrund, davor ein geschlossenes Notizbuch und gebündelte Bleistifte
Symbolbild, KI-generiert

Die häufigsten Themen

Grundlage ist unsere Auswertung von Gedächtnisprotokollen mündlicher Physikumsprüfungen mit zusammen rund 546.000 Wörtern. Die Zahl gibt an, wie oft ein Themenbegriff im Text genannt wird. Sie zeigt, welches Gewicht ein Thema in den Protokollen hat, nicht die Wahrscheinlichkeit, dass es in deiner Prüfung drankommt.

Anatomie: Themen nach Nennungen in den ausgewerteten Protokollen
PlatzThemaNennungenWorauf die Fragen zielen
1Reflexe und Segmente778Verschaltung, Segmentzuordnung, Hinweise auf eine zentrale Läsion
2Liquor, Ventrikelsystem, Hirnhäute555Liquorzirkulation, Foramina, epidurale und subdurale Räume
3Schilddrüse und N. laryngeus recurrens319Gefäßversorgung, Gefährdung des Nervs bei Operationen
4N. facialis189Verlauf, Faserqualitäten, zentrale und periphere Parese
5Pyramidenbahn114Kreuzung, Verlauf durch die Capsula interna, Ausfälle
6N. trigeminus114Äste, Versorgungsgebiete, Austrittsstellen
7Plexus brachialis110Aufbau, Endäste, typische Nervenschäden an der Hand
8Orbita und Auge106Augenmuskeln und ihre Innervation, Horner-Syndrom
9Capsula interna99Gliederung, Faserverläufe, Ausfälle bei Blutungen
10Larynx93Knorpel, Innervation, Funktion der Stimmlippen
11Leistenkanal81Aufbau, Inhalt, klinische Bedeutung
12Herz63Koronarversorgung und Klappen

Dahinter folgen feste Blöcke, die ebenfalls regelmäßig auftauchen: die Speicheldrüsen mit dem Geflecht des N. facialis in der Parotis, die Leberpforte mit den portokavalen Anastomosen, Lungenlappen, Fissuren und Hilus, die Lage des Uterus und sein Halteapparat, die Engstellen des Ureters und die Foramina der Schädelbasis.

Auffällig ist das Gewicht der Neuroanatomie. Unter den zehn häufigsten Themen stammen sieben aus dem Nervensystem. Wer Reflexe, Bahnen, Hirnnerven und den Plexus brachialis sicher erklären kann, deckt einen großen Teil der mündlichen Anatomieprüfung ab.

Wie in Anatomie geprüft wird

In den Protokollen beginnt die Anatomieprüfung häufig an einem Präparat oder einem histologischen Schnitt. Zuerst geht es um die Diagnose, dann um die Merkmale, an denen du sie erkennst, dann um Funktion und Versorgung. Danach wechselt das Gespräch oft in die makroskopische Anatomie oder die Neuroanatomie.

Zwei Frageformen kommen besonders oft vor. In einer zweiten Auswertung von 35 Anatomie-Protokollen stand die Frage, wie etwas aufgebaut ist, in 8 Protokollen, die Frage, was an einer Struktur besonders ist, ebenfalls in 8. Beide sind Einladungen, strukturiert zu erzählen, und genau dort trennt sich eine gute von einer mittelmäßigen Antwort.

Rechne außerdem mit Detailfragen. In Anatomie wird gern nach genauen Segmenten, nach Varianten und nach Anastomosen gefragt. Wenn du eine Zahl sicher weißt, nenne sie, statt auf die Nachfrage zu warten.

So baust du eine Antwort auf

Eine gute Antwort hat eine erkennbare Reihenfolge. Sie gibt dir Halt, wenn die Nervosität steigt, und zeigt der Kommission, dass du Zusammenhänge verstehst:

  1. Einordnen. Was ist die Struktur, und zu welchem System gehört sie?
  2. Topographie. Wo liegt sie, was grenzt an, wie wird sie versorgt und innerviert?
  3. Funktion. Was leistet sie, und wie hängt das mit ihrem Aufbau zusammen?
  4. Klinik. Was passiert bei einer Schädigung, und woran erkennt man das?

Nimm die Nachfrage vorweg. Bist du beim N. facialis angekommen, liegt die Frage nach einer Operation an der Parotis nahe. Wer sie selbst anspricht, lenkt das Gespräch zu einem Thema, das er beherrscht.

Anatomie mündlich üben

  • Aus dem Kopf zeichnen. Skizziere den Plexus brachialis, die Ventrikel oder die Gefäße der Schilddrüse ohne Vorlage und erkläre dabei laut, was du zeichnest.
  • Bilder beschreiben. Nimm eine Abbildung aus dem Atlas oder ein histologisches Bild und sprich zwei Minuten darüber, ohne abzulesen.
  • Von der Läsion rückwärts denken. Nimm ein Symptom wie eine Fallhand oder ein hängendes Augenlid und leite her, wo die Schädigung liegt.
  • Unter Zeitdruck antworten. Stell einen Timer und beantworte jede Frage in höchstens einer Minute. Wie das ohne Lernpartner geht, steht in Mündliches Physikum alleine üben.

Häufige Fragen

Was wird im mündlichen Physikum in Anatomie am häufigsten gefragt?

In den ausgewerteten Protokollen sind Reflexe und ihre Segmente mit Abstand das häufigste Thema, gefolgt von Liquor, Ventrikelsystem und Hirnhäuten sowie der Schilddrüse mit dem N. laryngeus recurrens.

Wird im mündlichen Physikum auch Histologie geprüft?

Ja, die mikroskopische Anatomie gehört zum Fach Anatomie. Laut den Protokollen beginnt die Prüfung oft an einem histologischen Schnitt oder einem Präparat.

Wie lange wird Anatomie im mündlichen Physikum geprüft?

Die Approbationsordnung legt keine Dauer je Fach fest. Sie schreibt 45 bis 60 Minuten je Prüfling für die gesamte mündliche Prüfung in allen drei Fächern vor (§ 24 Abs. 1).

Muss ich im mündlichen Physikum zeichnen?

Oft ja. Skizzen von Nervenverläufen, Gefäßversorgung oder Schnittbildern kommen in vielen Protokollen vor. Übe deshalb, die wichtigsten Strukturen aus dem Kopf zu zeichnen.

Quellen

Die Regeln stammen aus der Approbationsordnung für Ärzte in der zum Prüfdatum geltenden Fassung. Im Einzelfall entscheidet dein Landesprüfungsamt. Die Themenhäufigkeiten beruhen auf einer eigenen Auswertung von Gedächtnisprotokollen und sind ohne Gewähr.