Ratgeber · Vorbereitung

Die Wochen zwischen schriftlich und mündlich

Der schriftliche Teil ist geschafft, und die mündliche Prüfung steht in wenigen Tagen oder Wochen an. Jetzt zählt nicht mehr, möglichst viel zu lesen, sondern das Gelernte aussprechen zu können. So teilst du die Zeit ein.

Von Rohat Deniz Duman, Hippokrat.io · zuletzt geprüft am

Schreibtisch mit einer Reihe Haftnotizen, Tasse und Stifthalter, im Hintergrund ein unscharfer Wandkalender
Symbolbild, KI-generiert

Wie viel Zeit du hast

Die Approbationsordnung legt nur fest, dass der mündlich-praktische Teil in der vorlesungsfreien Zeit stattfindet (§ 16 Abs. 1). Den Tag bestimmt dein Landesprüfungsamt. Je nach Universität bleiben dir nach dem schriftlichen Teil wenige Tage bis mehrere Wochen. Auch wann du erfährst, wer dich prüft, ist sehr verschieden. Die aktuellen Termine und Fristen stehen im Wegweiser zum mündlichen Physikum.

Der Grundsatz: vom Wissen zum Sprechen

Für die schriftliche Prüfung hast du Antworten wiedererkannt. In der mündlichen Prüfung musst du sie selbst ordnen und aussprechen, während drei Menschen zuhören und nachfragen. Dein Wissen ist direkt nach dem schriftlichen Teil so umfangreich wie selten. Was fehlt, ist fast immer die Übung im Sprechen. Deshalb gehört der größte Teil der verbleibenden Zeit dem lauten Antworten.

Der Plan für zwei Wochen

Zwei Wochen sind ein häufiger Abstand. Hast du weniger oder mehr Zeit, passt du die Phasen an, wie weiter unten beschrieben.

Tag 1 und 2: Ausruhen und sortieren

Gönn dir nach dem schriftlichen Teil einen Tag Pause. Am zweiten Tag sortierst du: Welche Themen sind laut der Auswertungen zu Anatomie, Physiologie und Biochemie Dauerbrenner, welche davon kannst du schon erklären, und wo sind Lücken? Kennst du deine Prüfenden bereits, sammle ihre Altprotokolle.

Tag 3 bis 9: Themen laut durcharbeiten

Nimm dir jeden Tag zwei bis drei Kernthemen pro Fach vor. Lies ein Thema kurz nach und erkläre es dann laut und ohne Vorlage, von der Struktur über die Funktion bis zur Klinik. Was du nicht flüssig sagen kannst, liest du gezielt nach und erklärst es noch einmal. Skizziere dabei alles, was sich zeichnen lässt.

  • Vormittags das schwächste der drei Fächer, solange du am frischesten bist.
  • Nachmittags die anderen beiden Fächer im Wechsel.
  • Abends fünf Fragen aus den Themen des Tages laut beantworten, jede in höchstens einer Minute.

Tag 10 bis 12: Die Prüfungssituation üben

Jetzt übst du das Gespräch selbst. Lass dich abfragen, mit Nachfragen und Themenwechseln, möglichst so, wie es die Protokolle deiner Prüfenden beschreiben. Ohne Lerngruppe helfen die Methoden aus Mündliches Physikum alleine üben. Bist du bereits zugelassen, frag, ob du bei einer anderen Prüfung zuhören kannst: Die oder der Vorsitzende muss bis zu fünf zugelassenen Studierenden das Zuhören gestatten (§ 15 Abs. 5).

Tag 13: Generalprobe

Spiel den Ernstfall einmal durch: 45 bis 60 Minuten, alle drei Fächer, ohne Unterbrechung. Danach wiederholst du nur noch die Themen, bei denen es gehakt hat.

Tag 14: Ruhe

Kein neuer Stoff mehr. Leg bereit, was in deiner Ladung verlangt wird, dazu Ausweis, Kleidung und etwas zu trinken, und plane die Anreise. Am Prüfungstag hilft ein kurzes lautes Aufwärmen mit einem Thema, das du sicher beherrschst.

Wenn du weniger oder mehr Zeit hast

Aufteilung der Tage je nach verbleibender Zeit
Zeit bis zur PrüfungSortierenThemen laut durcharbeitenPrüfungssituation übenGeneralprobe und Ruhe
eine Woche1 Tag3 Tage2 Tage1 Tag
zwei Wochen2 Tage7 Tage3 Tage2 Tage
drei Wochen2 Tage11 Tage5 Tage3 Tage

Bleiben dir nur wenige Tage, konzentrierst du dich auf die fünf häufigsten Themen je Fach und auf die Protokolle deiner Prüfenden. Sicherheit bei den Dauerbrennern bringt dann mehr als Breite.

Was du jetzt lassen solltest

  • Neue Lehrbücher anfangen. Bleib bei den Quellen, mit denen du bereits gelernt hast.
  • Nur lesen. Wer nicht laut übt, merkt erst in der Prüfung, dass die Worte fehlen.
  • Auf das schriftliche Ergebnis warten. Beide Teile werden getrennt bewertet. Ein bestandener mündlicher Teil bleibt dir, auch wenn du den schriftlichen wiederholen müsstest (§ 13 Abs. 3).
  • Die Nacht vorher durchlernen. Müdigkeit kostet in einem Gespräch mehr als eine fehlende Einzelheit.

Häufige Fragen

Wie lange ist die Zeit zwischen schriftlichem und mündlichem Physikum?

Das hängt von Universität und Landesprüfungsamt ab. Die mündliche Prüfung findet in der vorlesungsfreien Zeit nach dem schriftlichen Teil statt, meist liegen wenige Tage bis einige Wochen dazwischen.

Muss ich zur mündlichen Prüfung, wenn das schriftliche Physikum schlecht lief?

Ja. Beide Teile werden getrennt bewertet, und ein bestandener mündlicher Teil bleibt bestehen, auch wenn du den schriftlichen wiederholen musst (§ 13 Abs. 3 ÄApprO). Wer ohne wichtigen Grund nicht erscheint, hat den Teil nicht bestanden (§ 19).

Was lerne ich, wenn ich nur eine Woche bis zur mündlichen Prüfung habe?

Die fünf häufigsten Themen je Fach, die Protokolle deiner Prüfenden und vor allem lautes Antworten. In einer Woche bringt Sicherheit bei den Dauerbrennern mehr als Breite.

Quellen

Die Regeln stammen aus der Approbationsordnung für Ärzte in der zum Prüfdatum geltenden Fassung. Im Einzelfall entscheidet dein Landesprüfungsamt. Die Themenhäufigkeiten beruhen auf einer eigenen Auswertung von Gedächtnisprotokollen und sind ohne Gewähr.